jüdisches leben

„Be cool, be kosher, be berlin“ – mit diesen Worten zogen 2011 die Teilnehmer der zweiten Jüdischen Parade für Frieden und Toleranz über den Kurfürstendamm. Mit bunten Umzugswagen, Luftballons, T-Shirts und Plakaten entlang der einstigen Prachtmeile Berlins zeigten sie, dass das jüdische Leben in Berlin die dunklen Schatten der Vergangenheit hinter sich gelassen hat und wieder fest im Stadtbild verankert ist. Mehr als 1500 Menschen feierten an diesem Tag ausgelassen ihren Glauben in der Hauptstadt.

Für viele hatte der Ort der Parade große Symbolkraft. Denn zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Kurfürstendamm ein Ort vielfältigen jüdischen Lebens. Zahlreiche Intellektuelle und Künstler der jüdischen Gemeinde lebten hier und trugen zum einzigartigen Flair des Boulevards in den Goldenen Zwanzigern bei. Auch abseits der Künstlertreffs in Cafés und Restaurants ließen sich viele jüdische Familien in dieser Gegend nieder; einige Kaufleute eröffneten ihre Geschäfte, Hotels und Unternehmen rund um den Kurfürstendamm. Bekannt aus dieser Zeit sind die Kempinskis, aus deren Gaststätte später das bekannte Hotel wurde, die Boulevardtheater Max Reinhardts oder das Universum-Kino von Erich Mendelsohn. Mit ihrem Schaffen haben sie das Bild und die Geschichte des Kurfürstendamms nachhaltig geprägt und ihn zu einem weltberühmten Boulevard gemacht.

Doch gerade das internationale, avantgardistische und vielfältige Treiben an dieser Prachtstraße machte den Kurfürstendamm schon in den 1920er Jahren zum Gegenstand von Hass und Spott der Nationalsozialisten. Unzählige Hetzartikel gegen den Boulevard und die dort ansässige jüdische Gemeinde wurden veröffentlicht, immer wieder kam es auch zu Übergriffen auf offener Straße. Schließlich gehörten der Kurfürstendamm und seine jüdischen Anwohner zu den ersten Opfern gezielter Gewalt durch die Nationalsozialisten nach 1933.

Den Wandel jüdischen Lebens am Kurfürstendamm in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts dokumentiert kein Ort eindrücklicher als die ehemalige Synagoge in der Fasanenstraße, in der sich heute das jüdische Gemeindehaus befindet. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg errichtet, war die Synagoge ein zentraler Treffpunkt für die jüdische Gemeinde Charlottenburgs. Wie viele andere Gebäude jüdischer Besitzer wurde auch das Gotteshaus durch die Brände in der Pogromnacht 1938 beschädigt und im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört. Mit dem Wiederaufbau in den 1950er Jahren kehrte die jüdische Gemeinde in die Fasanenstraße zurück. Das Haus wurde zum „Wohnzimmer der Gemeinde“ und bietet noch heute die Gelegenheit zu Treffen und Begegnungen.